Offener Brief: Zukunftsfähige Ausrichtung des Demag-Standortes Wetter

An die Geschäftsführung
Konecranes GmbH / Demag Cranes &
Components GmbH

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Nachricht, dass der Mutterkonzern Konecranes bei der Demag am Standort Wetter rund 400 Stellen im Rahmen seiner Umstrukturierung abbauen will, hat die Arbeitnehmer*innen und ihre Familien sowie die gesamte Stadt schwer erschüttert. Damit würde ein Drittel der Arbeitsplätze am Produktionsstandort verschwinden. Meine Solidarität gilt den Beschäftigten in ihrem Kampf für ihre Arbeitsplätze.

Konecranes als Mutterkonzern trägt nicht nur für die Gewinne des Konzerns Verantwortung, sondern auch für das Gemeinwohl. Deshalb dürfen Sie die Beschäftigten vor Ort nicht vergessen. Es darf zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommen und der Standort Wetter muss langfristig gesichert werden. Mit der Übernahme der Demag vor knapp zwei Jahren haben Sie sich der Belegschaft verschrieben und stehen als europäischer Konzern in einer besonderen Pflicht, diesen Menschen weiterhin soziale und finanzielle Sicherheit zu bieten.

Die IG Metall und der Betriebsrat haben Ihnen in der vergangenen Woche Eckpunkte zu einem Zukunftstarifvertrag vorgelegt, wie er schon im Sommer im Schwesterwerk Uslar abgeschlossen wurde. Die Belegschaft in Wetter bringt sich so in entscheidender Weise in den Prozess der Standortsicherung ein und liefert Ihnen nachhaltige Konzepte für eine zukunftsfähige Ausrichtung des Standortes. Mit dem von Gewerkschaftsseite vorgeschlagenen Steuerkreis, der die Umsetzung der Projekte des Zukunftstarifvertrags begleiten soll, wird dieser Anspruch auch über die Tarifverhandlungen hinaus verfestigt.

Bereits jetzt steht fest, dass 2019 mehrere hundert Beschäftigte in eine neue Servicegesellschaft wechseln und so längere Arbeitszeiten bei schlechterer Bezahlung in Kauf nehmen. Die Menschen sind bereit, um den Standort und ihre Arbeitsplätze zu kämpfen. Ich fordere Sie als Verantwortliche deshalb auf, diesen Beitrag in den anstehenden Verhandlungen entsprechend zu würdigen und von Ihrer Seite auf die Belegschaft zuzugehen. Werden Sie Ihrem eigenen Anspruch gerecht und beweisen Sie, dass Ihnen nicht nur der wirtschaftliche Erfolg, sondern auch der soziale Zusammenhalt wichtig ist.

Internationale Unternehmen wie Konecranes tragen auch für die Zukunft der EU eine große Mitverantwortung. Wenn internationale Konzerne der Pflicht nicht nachkommen, ihren Anteil für das Gemeinwesen zu leisten und infolgedessen Bürger*innen sich vor unfairen Globalisierungsprozessen fürchten, besteht die Gefahr, dass die Desintegration in Europa weiter voranschreitet. Das kann nicht im Interesse Ihres Unternehmens sein.

Ich fordere Sie auf, bei ihren Plänen die Interessen der Beschäftigten nachhaltig zu beachten.

Mit freundlichen Grüßen

Dietmar Köster